Corona hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Viele Aspekte des New Work-Konzepts sind vielerorts vom nice to have zum must have geworden. Althergebrachte Arbeitsweisen sind plötzlich nicht mehr nur überholt, sondern schlicht nicht umsetzbar. Digitales und flexibles Arbeiten sind Grundvoraussetzungen für Menschen im Homeoffice. Diese neue Art zu Arbeiten funktioniert erstaunlich gut, stellen immer mehr Unternehmen fest. Aber sie fordern auch eine neue Art, Mitarbeiter*innen zu führen. Das Skillset einer modernen Führungskraft ist vielseitig – drei Dinge sollte/n er*sie auf jeden Fall mitbringen: Vertrauen, Eigenverantwortung und Wertschätzung.
Vertrauen als Grundlage
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser ist eine von vielen Redensarten, die veraltet sind und wissenschaftlicher Prüfung nicht standhalten. Trotzdem prägt die Idee dahinter nach wie vor die Arbeit in deutschen Chefetagen. Arbeitnehmer*innen werden auf diese Weise als unkontrolliertes Wesen wahrgenommen. Im schlimmsten Fall sogar als Feind des Unternehmens. Und Arbeitnehmer*innen spüren es, wenn ihnen misstraut wird. Das ist Gift für die Arbeitsmoral und die Unternehmenskultur. Arbeitnehmer*innen haben Vertrauen verdient. Warum wurden sie denn sonst eingestellt? Wer seinem Team misstraut, hegt Zweifel an den eigenen Personalentscheidungen und ist somit falsch am Platz.
Vertrauen zahlt sich aus. Prof. Dr. Schweer ist Psychologe und der Leiter des Vertrauenszentrums an der Universität Vechta. Er hat kürzlich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung Position zu dem Thema bezogen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Vertrauen wirkt, sagt er: „Im Klima des Vertrauens ist ein besseres Miteinander, mehr Motivation, mehr Engagement, mehr Bindung gegeben.“ Selbstverständlich schützt dies nicht immer vor Enttäuschungen, aber generell gilt: Wer auf die Vertrauenswürdigkeit der anderen setzt, wird auch eher Gutes zurückbekommen.
Eigenverantwortung für mehr Wachstum
Wer seinem Team vertraut, gibt Verantwortung ab. Das ist nicht immer leicht für Führungskräfte, aber immens wichtig. Zum einen entlastet es die Führungsebene, zum anderen gibt es den Team-Mitgliedern die Möglichkeit, im Job zu wachsen. Zudem ist es gesundheitsfördernd. Mitarbeiter*innen die eigenverantwortlich arbeiten, können ihren Arbeitstag nach eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen strukturieren. Diese Art zu arbeiten kann Stress reduzieren.
Eigenverantwortliches Arbeiten steigert die Motivation. Wer Projektziele vor Augen hat und nicht nur pflichtbewusst im Akkord arbeitet, bringt mehr Engagement für die anliegenden Aufgaben auf. Eigenverantwortliche Mitarbeiter*innen können sich mit ihrer ganzen Stärke und Energie ins Unternehmen einbringen. Nur wenn alle im Team die Möglichkeit haben, den Berufsalltag aktiv mitzugestalten, entsteht die Chance Menschen, Abteilungen und Unternehmen voranzubringen.
Wertschätzung in der Kommunikation
Menschen wollen gesehen werden. Sie wünschen sich Anerkennung für ihre Aufgaben. Die amerikanische Geschäftsfrau Mary Kay Ash hat mal gesagt: „There are two things that people want more than sex and money – recognition and praise.“ Gute Leader*innen geben das ihren Mitarbeiter*innen. Zuallererst müssen sie dafür zuhören. Denn nur wer mit voller Aufmerksamkeit wahrnimmt, was gesagt und getan wird, kann fundiertes Feedback geben. Jede Führungskraft sollte einen Großteil der Arbeit im Gespräch mit seinem*ihrem Team verbringen. Nur so kann er/sie das große Ganze richtig orchestrieren.
Nach dem gewissenhaften Zuhören folgt eine Rückmeldung. Natürlich beinhaltet gesundes Feedback auch Kritik. Wenn eine gute Feedback-Kultur im Unternehmen herrscht, ist das kein Problem. Aber vor allem sollte das Feedback lobend sein. Das gilt übrigens für so ziemlich alle zwischenmenschlichen Kommunikationssituationen von Kindeserziehung, über Ehegespräche bis hin zum Austausch am Arbeitsplatz. Und es sollte nicht auf die großen Erfolge gewartet werden, um Lob auszusprechen. Jeden Tag vollbringt ein Team viele lobenswerte Dinge. Wir müssen sie nur sehen und benennen.
Die neue Freiheit liegt nicht jedem
Es gibt auch immer wieder Mitarbeiter*innen, die mit den neu gewonnenen Freiheiten nicht klarkommen. Sie sind durch Eigenverantwortung überfordert und Arbeiten bis zur Selbstaufgabe. Das kann langfristig zu gesundheitlichen Folgen und Burnout führen. Hier müssen Führungskräfte aufmerksam beobachten und gegebenenfalls sensibel reagieren. Besteht ein Verdacht auf Überforderung, sollte das Gespräch gesucht und das Thema angesprochen werden. Wer offen aber vorsichtig auf seine Mitarbeiter*innen zugeht, erfährt meist schnell, ob sie Hilfe brauchen.
Wenn Hilfe gebraucht wird, sollte gemeinsam nach Wegen der Entlastung gesucht werden. Hierbei ist es wichtig, dass nicht andere Teammitglieder die Last abbekommen und die Belastung nur verschoben wird. Oft haben die belasteten Mitarbeiter*innen selbst gute Ideen, wie die Situation verbessert werden kann, wenn sie nur darauf angesprochen werden. Zudem sollten zu den kurzfristigen Maßnahmen langfristige Wege und Ziele entwickelt werden, weil Mitarbeiter*innen klare Visionen brauchen, um engagiert und motiviert zu arbeiten.

