Kündigungen fühlen sich gewohnheitsgemäß für beide Seiten endgültig an. Arbeitnehmer oder Arbeitgeber beenden das Beschäftigungsverhältnis und in den allermeisten Fällen hieß das in der Vergangenheit: auf Nimmerwiedersehen! In den letzten Jahren entwickelt sich allerdings ein neuer Trend. Immer mehr Unternehmen setzen beim Recruiting auf ehemalige Mitarbeitende – und Menschen, die einen Jobwechsel suchen, beziehen auch immer häufiger ihre frühere Arbeitsstelle in Betracht.
Bumerang-Mitarbeiter*innen heißen solche Arbeitnehmer*innen, die ein Unternehmen verlassen und dann wieder zurückkehren. Immer mehr Artikel, Studien und Umfragen widmen sich diesem Phänomen. Insbesondere in englischsprachigen Wirtschaftsmedien sind boomerang employees ein hot topic. Da auch hierzulande die Suche nach passendem Personal ein omnipräsentes Thema ist, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Angestellten mit dem Bogen in der Berufslaufbahn.
Alte Bekannte
Ein großer Vorteil von Bumerang-Mitarbeitenden liegt auf der Hand: Man kennt sich. Beide Parteien wissen bei einem Comeback, was sie voneinenander erwarten. Für die Anforderungen und die Qualität der Arbeit wurde in der Vergangenheit bereits eine Basis geschaffen. Die alten Neuen kennen das Geschäftsmodell, die Systeme und Prozesse des Unternehmens – oftmals sogar die Kunden. Auch Unternehmeskultur und Arbeitsumfeld sind ihnen vertraut. All das minimiert das Risiko einer bösen Überraschung, verringert die Schulungskosten und verkürzt die Einarbeitungszeit.
Und es ist nicht alles beim Alten: Bumerang-Mitarbeitende haben in der Zwischenzeit bei einem anderen Arbeitgeber oft neue Fähigkeiten und Kenntnisse erworben. Von diesen kann das wiedereinstellende Unternehmen profitieren. Unter Umständen haben Bumerang-Mitarbeitende bei ihrer Zwischenstation auch bemerkt, was sie nicht in ihrem Arbeitsleben wollen, und daher eine neue Wertschätzung für das alte Unternehmen.
Viele Pros, ein Manko
Die aktuelle Studienlage ist eindeutig pro Bumerang. Laut einer Studie des Harvard Business Review sind Bumerang-Mitarbeitende berechenbarer als externe Mitarbeitende und zeigen auf Anhieb bessere Arbeitsleistung. Laut einer Umfrage des Blind Blogs schneiden Bumerang-Mitarbeitende besonders gut bei Aufgaben ab, die das Sammeln von Informationen aus verschiedenen Abteilungen oder die Zusammenarbeit im gesamten Unternehmen erforderten. Eine weitere Umfrage zeigt, dass beinahe 90 Prozent der Arbeitgeber Bewerbern positiv gegenüberstehen, die vorher bereits im Unternehmen gearbeitet haben – nur 14 Prozent betrachten diese eher negativ.
Auch Forscher der Cornell University in New York bescheinigen Bumerang-Mitarbeitenden in einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung überdurchschnittlich gute Leistungen. Über einen Zeitraum von acht Jahren verglichen sie das Leistungsniveau von rund 13.000 Mitarbeitenden, die von einer großen Gesundheitseinrichtung eingestellt wurden. Etwas mehr als 2.000 dieser neu eingestellten Mitarbeitenden hatten in einem vorherigen Zeitraum bereits für das Unternehmen gearbeitet. Die Analyse ergab, dass die Rückkehrer*innen fast immer leistungsstärker waren als ihre Kolleg*innen. Außerdem wurden sie häufiger befördert.
Einen Haken haben Bumerang-Mitarbeitende allerdings, auch das belegen Zahlen: Sie bleiben wechselwillig. Das Risiko, Rückkehrer*innen wieder gehen lassen zu müssen, ist also ein Stück höher als bei einer Neueinstellung.
Potenzial für Erfolgsgeschichten
Bei der Suche nach neuem Personal das alte Adressbuch oder die LinkedIn-Kontakte zu durchstöbern kann sich lohnen und alle Zeichen deuten darauf hin, dass es sich immer häufiger lohnen wird. Die Daten von LinkedIn zeigen, dass die Zahl der Bumerang-Mitarbeitenden steigt: 2021 waren es bereits knapp fünf Prozent. Das Gelingen oder Scheitern einer Wiedereinstellung hängt wie eine Neueinstellung von vielen individuellen Faktoren ab. Im Fall der Bumerang-Variante lassen sich aber relevante Fragen im Vorfeld klarer beantworten und eine Erfolgsgeschichte wird wahrscheinlicher.
Personalmanager*innen sollten sich aber auch Folgendes fragen: aus welchem Grund der Mitarbeitende damals ausgestiegen ist. Falls die Gründe dafür im Gestaltungsspielraum des Unternehmens liegen, z. B. bei Gehalt, Kolleg*innen oder Aufgaben, muss sicher sein, dass sich die Voraussetzungen für den Mitarbeitenden geändert haben und somit die Basis für eine langfristige Bindung geschaffen wurde. Falls die Gründe mit den Fähigkeiten des Mitarbeitenden zusammenhängen, muss auch hierbei eine Veränderung stattgefunden haben. Zudem sollten Personalmanager*innen fragen: Wie werden ehemalige Kolleg*innen auf die Rückkehr reagieren? Hier lohnt es sich, aktiv unterschiedliche Perspektiven aus dem Team einzuholen, denn alte Bekanntschaften haben emotionale Auswirkungen auf den Team-Spirit.
Wenn Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen nach Betrachtung der gemeinsamen Vergangenheit und einem klaren Definieren der gemeinsamen Zukunft auf einen Nenner kommen, kann es losgehen. Gerade Bumerang-Mitarbeitende, die mit einem höheren Gehalt und einem höheren Status wieder einsteigen, haben das Gefühl, als Held zurückzukehren. Und Unternehmen, die Mitarbeitende zurückgewinnen, setzen ein deutliches Zeichen dafür, wie attraktiv sie als Arbeitgeber sind.

